Als Reisender zwischen den Kulturen, in denen sich der Wiener Jazzgeiger und Komponist Rudi Berger seit Jahren bewegt, ist ihm die Vielfalt des menschlichen Ausdrucks eine immerwährende Quelle der Inspiration. Diese multikulturelle Verwurzelung und die Erfahrungen eines bewegten Musikerlebens manifestieren sich in seinen vielschichtigen Kompositionen und seiner persönlichen Tongebung. Auf Grund dieses, durch verschiedenste kulturelle Einflüsse gekennzeichneten Werdeganges, hat sich Rudi Berger einen wichtigen Platz in der Welt der Jazzvioline geschaffen und gilt heute als einer der originellsten und richtungsweisenden Stimmen seines Genres.
Geboren und aufgewachsen in Wien bekam Rudi Berger ab seinem sechsten Lebensjahr Geigenunterricht am Prayner Konservatorium (bei Frau Prof. Steinbauer). Sein klassisches Studium setzte er am Konservatorium der Stadt Wien bei Karl Barylli und abschließend bei Günther Schich fort. Zugleich nahm er als Kind drei Jahre Klavierunterricht bei Dora Hermann. Schon als Kind sang und musizierte Rudi mit seinem Großvater, einem Amateurvolksmusikanten und Sänger. Den volkstümlichen Melodien seines ersten Mentors folgte er nach Gehör. Erste prägende Eindrücke kreisen um Volksmusik, Pop, Gospel, Jazz und Rock (Louis Armstrong, Fats Domino, Ella Fitzgerald, Bill Haley, Lionel Hampton, Mahalia Jackson und Glenn Miller). Zudem wurde das „White Album“ der Beatles, der Blues von John Mayall mit dem Geiger Don „Sugarcane“ Harris und ein Konzert von Ray Charles wesentlich als Eindrücke, die Bergers Musikabsichten prägen sollten. Mit 14 begann Berger, sich als Improvisator zu betätigen, wobei damals auch seine ersten Kompositionen entstanden. Es folgten Auftritte mit dem Wiener Bluesgitarristen und Sänger Al Cook, Kontakte mit der jungen Wiener „Gipsy Scene“ und erste Einladungen als Studiomusiker. Nach Schulabschluss spielte er als Multiinstrumentalist und Sänger zwei Jahre in einer Nightclub-Band, und als Geiger in klassischen Ensembles und in traditionellen Wiener Walzerorchestern.
1977, mit 22 Jahren, wurde er für drei Jahre Mitglied des neu gegründeten Vienna Art Orchesters und wirkte bis zum Jahre 2001 immer wieder als Gastsolist an verschiedensten Projekten, Tourneen und Aufnahmen des Orchesters mit. 1980 erhielt er mit seiner Jazzrockformation Rudi Berger´s Good News seine erste internationale Einladung (Jazz in Athens) und belebte mit seinen weiteren Formationen die neue Wiener Szene. Anfang der Achtziger jammte er in einem Wiener Untergrundlokal mit dem amerikanischen Sänger Al Jarreau, der gerade durch Europa tourte. Jarreau legte ihm nahe, in die Vereinigen Staaten zu übersiedeln. Auch der Saxophonist Eddie Harris riet ihm bei seinen Wienbesuchen zu einem Sprung über den Atlantik.
Bevor Berger 1986 tatsächlich seinen Wohnsitz nach New York verlegte, wurde er von der österreichischen Musikzeitschrift „Jazz Live“ 1985 und 1986 zum „Geiger des Jahres“ gewählt und veröffentlichte sein Debutalbum „First Step“. Nach einer achtmonatigen Anlaufzeit, in der Rudi mit New York Street Bands musizierte, lud ihn der legendäre Jazzsender WKCR mit seinem ersten New York Quartett, dem Joe Calderazzo, Mike Formanek und Adam Nussbaum angehörten, zu einem „Live Special“ ein. Während seines vierzehnjährigen Aufenthalts in New York spielte er mit vielen der feinsten Musiker(innen) der dortigen Szene. Auch interpretierte er 1989 beim American Music Theatre Festival (New York, Philadelphia, Charleston) als Teil eines argentinischen Tango-Quintetts Musik von Astor Piazzolla, der bei den Proben inspirierend zugegen war. Im selben Jahr traf Berger den Gitarristen und Komponisten Toninho Horta, woraus sich eine langjährige musikalische Freundschaft entwickelte.
Zwischen 1996 und 2003 erweiterte er seine musikalische Wechselbeziehung: Berger war als Gastlehrer an der brasilianischen Universität von Belo Horizonte (UFMG) tätig, trat aber zudem regelmäßig in New York und Wien auf. Im Jahr 2003 übersiedelte er schließlich nach Brasilien. Durch zahlreiche Auftritte mit Toninho Horta ergaben sich Kooperationen mit Musikern aus Belo Horizonte und anderen Teilen Brasiliens. Berger tourt auch mit seinen eigenen Brazil-Formationen. Im Laufe der Jahre hat Berger sowohl renommierte als auch junge Musiker aus Südamerika, Europa und den USA in seine Formationen integriert (Rudi Bergerʼs Three World Band). Als Studiomusiker wirkte Rudi Berger auf mehr als 200 Aufnahmen mit, unter anderem auch bei Musik für Theater, Film und Animation. Einige Aufnahmen wurden für den Grammy nominiert und preisgekrönt. Als Bandleader und Gastsolist konzertiert er in Europa, Japan, Südamerika und den USA. Zahlreiche seiner Kompositionen wurden von Musikern und Bands aus Brasilien, Österreich, der USA und Venezuela auf Tonträgern veröffentlicht.
Das neueste Album Toninho Horta’ s “Belo Horizonte”, an dem der Wiener Geiger als Gastsolist mitwirkt, wurde als bestes brasilianisches Album des Jahres mit dem Latin Grammy 2020 ausgezeichnet – “Melhor album de Musica Brasileira 2020”.